Forschung

Der neue GARMI: Hochmoderne Technik und eine Loden-Jacke

GARMI ist jetzt so etwas wie ein Opa: ein Zeitgenosse, der seine Zeit geprägt hat, nun aber in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist. Denn Forscher des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) unter der Leitung von Prof. Alexander König und Designer des Munich Design Instituts (MDI) haben einen neuen GARMI entwickelt. Und diese zweite Generation des Pflegeassistenzroboters kann um einiges mehr als die erste: „Der neue GARMI versteht Sprache, entwickelt eigenständig einen Plan und bringt etwas zu trinken “, sagt König.

Auf einer kippsicheren fahrbaren Basis ist der Oberkörper des neuen Roboters an einer Hubsäule angebracht. Zwei Arme befinden sich rechts und links von der Hubsäule, darüber ein Kopf mit wachen, ab und zu zwinkernden Augen. Die neue GARMI-Generation verfügt über diverse Sensoren: Auf Augenhöhe sind Kameras montiert, um Bewegungen im Umfeld wahrzunehmen. Auf Beinhöhe hält eine Lidar-Abstandsmessung (Light Detection and Ranging) die Gegenstände in direkter Umgebung auf ausreichende Distanz. Auf Brusthöhe befindet sich darüber hinaus ein Bildschirm. Der neue GARMI kann Gegenstände vom Boden aufheben, aber auch von hoch oben herunterholen. Anders als beim GARMI der ersten Generation sind Gesicht und Bildschirm getrennt. Wenn künftig ein Arzt für eine Fernuntersuchung zugeschaltet wird, erscheint wie bei einem Videoanruf dessen Kopf auf dem Bildschirm.

„Während der ursprüngliche Garmi als Forschungsplattform konzipiert war, wurde der neue Garmi gezielt für den Pflegekontext weiterentwickelt“, sagt Prof. Annette Diefenthaler, die Leiterin des Munich Design Instituts (MDI). Wichtige Anhaltspunkte für die Gestaltung gaben mehrere Workshops, an denen Pflegepersonal, Senioren, Ärzte sowie Robotik-Forscher teilnahmen. „Empathisch, kompetent, professionell, vertrauenswürdig und freundlich“ stand auf der Wunschliste von Teilnehmern eines Design-Workshop. Schließlich spielen Akzeptanz und emotionale Nähe zu einem Pflegeroboter eine mitentscheidende Rolle. Deshalb hat der neue GARMI auch eine Jacke aus Loden: „Der Stoff verbindet Tradition und Zukunft, verleiht dem Roboter Wärme sowie Regionalität und macht ihn vertrauenswürdiger“, so Alexander König.

Im nächsten Schritt wird der neue GARMI nun abgesichert, damit ein Einsatz sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch im häuslichen Umfeld von Senioren möglich wird. Etwas zu trinken zu bringen ist nur der erste Schritt. „Beim Aufstehen behilflich sein, Kommunikation und Teilhabe am Sozialleben ermöglichen, an Medikamente erinnern – die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig“, betont König.

Vereint hochmoderne Technik und Tradition: der neue GARMI mit der Loden-Jacke (Foto: Max Merget)

Zurück